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Irina Hakamada: „Als Frau in der Politik überleben“

 

Irina Hakamada – vom Time Magazine 1995 zur “Politikerin des 21. Jahrhunderts“ ernannt und 1996 als eine der „100 bekanntesten Frauen der Welt“ aufgeführt – erzählt in ihrem Buch mit viel Witz und Selbstironie aus ihrer politischen Karriere. Die frühere Parteivorsitzende und Ministerin schreibt ungewöhnlich offen und gibt Frauen eine Menge praktischer Tipps, wie sie in einer Männerwelt – sei es in der Politik oder im Berufsleben – bestehen können. Das Buch steht seit dem Erscheinen vor zwei Monaten auf Platz eins der russischen Bestsellerliste; 200.000 Exemplare wurden bislang verkauft.

Frauen haben es nicht leicht in der Politik, erst recht nicht, wenn man den Namen „Hakamada“ trägt. Wie schnell wird daraus im Volksmund „Harakiri“, Matahari“ oder „Kamasutra“. Deshalb erzählt Irina Hakamada stets lieber selbst die Geschichte ihrer Herkunft: Ihre Mutter ist eine Russin, ihr Vater war als japanischer Kommunist 1939 in die UdSSR emigriert. 1955 in Moskau geboren, wurde Hakamada nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften Assistenz-Professorin, war Mitgründerin der ersten Börse Russlands, aus der die erste kommerzielle Bank und der erste unabhängige Fernsehsender hervorgegangen sind. Ab 1994 Mitglied der Duma, deren stellvertretende Vorsitzende sie zeitweilig war, wurde sie 1997 Ministerin für die Entwicklung des Mittelstandes. 2004 kandidierte sie bei den Präsidentschaftswahlen. 2004/2005 war sie Vorsitzende der Partei “Unsere Wahl”, die in Opposition zu Putins Regierungskurs steht.

Hakamada gewährt ungewöhnliche Einblicke in die russische und internationale Politik, sie berichtet von denkwürdigen Begegnungen mit Putin, Jelzin oder Condoleezza Rice. Doch man muss sich für Politik gar nicht so sehr interessieren, um das anekdotenreiche und unterhaltsame Buch genießen zu können.

 

Jede Kaste hat ihre eigenen Regeln und Gesetze. Das ist in der großen Politik nicht anders. Irina Hakamada hat in dieser abgehobenen Sphäre gelebt – und überlebt. Sie kann ihren Geschlechtsgenossinnen konkrete Tipps geben: Wie man sich auf Empfängen, bei Besprechungen und auf Dienstreisen verhält und wie vor der Kamera oder auf der Bühne, welche Kleidung jeweils passend und unpassend ist, wie man Gefahren erkennt und ihnen begegnet, was man unter keinen Umständen tun darf, selbst wenn es nur logisch wäre; welche Zeichen die Macht findet, um zu signalisieren, ob man noch wohlgelitten oder schon abserviert ist; und welche anderen Kriegskünste Frauen beherrschen sollten.

 

Entscheidungen sollte man etwa in Kreml-Büros niemals vormittags suchen, denn dann sind die Entscheidungsträger noch verkatert. Erst am Nachmittag, gegen vier Uhr, schlägt die Stunde, wenn die Herren nach einigen Gläschen Whiskey oder Wodka wieder die gewohnte Betriebstemperatur erreicht haben. Hakamada hat es immer wieder erstaunt, wie Politiker es fertig bringen, sich bis oben hin voll laufen zu lassen, um drei Stunden später, als wäre nichts gewesen, in einer Sitzung wieder ihren Mann zu stehen. Dafür gibt es Tricks – und die muss frau erst einmal lernen. Hakamada gibt sie an ihre Leserinnen weiter.

 

Männer sehen eine Frau, hören sie aber nicht. Deshalb hat es keinen Sinn, sich in eine erregte Diskussion unter Männern einzuschalten. Besser, mit der Intervention abzuwarten, bis alle ermattet in einer Sackgasse gelandet sind. Zu dieser Erkenntnis verhalf Hakamada die folgende Episode.

 

Zusammen mit den beiden anderen Gründern der Partei SPS, Boris Nemzow und Sergej Kirijenko, war sie von ihren Beratern zu einer einwöchigen Klausur gebeten worden. Um zu überprüfen, ob die drei Spitzenpolitiker bereits zu einem Führungsteam verschmolzen waren, wurde ein Test veranstaltet. Die Aufgabe: den effektivsten Weg herausfinden, um in einer bestimmten Zeit drei Alltagsdinge zu erledigen – Möbel aus einem Lager abtransportieren, die Mutter im Krankenhaus besuchen und das Kind aus dem Kindergarten abholen. Die Männer machten sich sofort an die Arbeit und verstrickten sich in wilde Diskussionen, berechneten Wegstrecken und Ampelschaltungen, bis sie stolz die optimale Route vorlegten. Irina Hakamada stellte die Frage, welchen Sinn es haben sollte, bei der Mutter für eine Minute vorbeizuschauen und einen Blumenstrauß abzuwerfen, nur um die Zeitvorgabe zu erfüllen. Sie plädierte dafür, die Abholung der Möbel einfach auf den nächsten Tag zu verschieben. – Nemzow und Kirijenko waren übrigens überzeugt, die Idealroute mustergültig im Team erarbeitet zu haben, bis die Videoaufzeichnung ergab, dass sie tatsächlich kein einziges Mal das Wort an Irina Hakamada gerichtet hatten.

 

Eingestreut in das Buch sind Tests und Rätsel zur Schulung des logischen Denkens der aufstrebenden Politikerin:

 

„Sie sind zu einem Empfang eingeladen. Wie erkennen Sie die wirklich wichtigen Männer im Raum?

a)      Achten Sie auf die Schuhe. Sind sie staubbedeckt, dann ist der Träger mit der U-Bahn gekommen. Schauen Sie, wer dem Alkohol zuspricht und wer nicht. Letztere besitzen zwar ein Auto, müssen aber selbst fahren.

b)      Sortieren Sie alle diejenigen aus, die eine Aktentasche dabeihaben, dann alle, die ein Handy benutzen. Dem wahren Chef wird das Handy in wichtigen Fällen von einem Referenten gereicht.

c)      Und der Mächtigste der Mächtigen ist derjenige, der den Empfang als erster verlässt.

Wenn Sie aber für die Politik geboren sind, dann brauchen Sie solche Tipps nicht. Vertrauen nur ihrem Instinkt und so erkennen Sie schon am Händedruck, ob ihr Gegenüber noch eine Zukunft hat.“

 

„Ein Mann betritt ein exklusives Moskauer Appartementhaus, gekleidet in einen Anzug aus den achtziger Jahren vom Modekombinat ‚Die Bolschewikin’, kombiniert mit Hemd und Krawatte vom Wochenmarkt. Um das Handgelenk trägt er eine Uhr der Marke „Wostok“. Eine Stunde später verlässt er das Haus wieder, angetan mit einem Anzug von Brioni, einer Krawatte von Gucci und einer handgearbeiteten Schweizer Uhr.

Um wen handelt es sich?

Antwort: Weder um einen Geheimagenten noch einen durchgeknallten Milliardär, sondern um den Vorsitzenden einer Duma-Fraktion, der von einem Besuch in seinem Provinzwahlkreis zurückgekehrt ist.“

 

„Sie werden im tiefsten Winter von Ihrem PR-Berater zum Eisbaden geschickt, um den Wählern Ihren Mut und Ihre gesunde Konstitution zu präsentieren.

  1. Welches Badekostüm wählen Sie: a) einen einteiligen Badeanzug, b) einen Bikini, c) oben ohne.
  2. Wo ziehen Sie sich um: a) im Auto, b) vor den Augen der Zuschauer und Reporter, c) hinter einem Paravent, der mit dem Logo ihrer Partei beklebt ist.
  3. Was machen Sie, wenn sie das eisige Wasser wieder verlassen haben: a) Sie kippen erst mal ein Glas mit Hochprozentigem hinunter wie ein richtiger Kerl, b) Sie trocknen sich schnell ab und verschwinden im Auto.

Nun werten sie bitte den Test aus und zählen ihre Antworten … Quatsch, sie brauchen nicht zu zählen. Die einzig richtige Entscheidung ist, ihre Berater zu feuern. Denn eine Frau, die in der Politik Karriere machen will, darf sich unter keinen Umständen leicht bekleidet in der Öffentlichkeit zeigen. In der Zeitung stände dann neben ihrem eigenen unweigerlich das Foto eines jungen Topmodels, und der geneigte Leser würde über ihren erfolglosen Kampf gegen die Cellulitis informiert werden.“

 

Überhaupt ist Vorsicht geboten bei den Vorschlägen von Image- und PR-Beratern, die noch kaum Erfahrungen mit Frauen in Spitzenpositionen gesammelt haben. Hakamada schildert die schlimmsten Missgeschicke in puncto Kleidung: Selbst mit einem züchtigen Rock bis zum Knie kann man sich auf einem ungünstig geschnitten Sofa im Nu bloßgestellt sehen – wie Hakamada bei einem Termin während eines Staatsbesuchs von Präsident Jelzin in Italien feststellen musste. Doch schon am nächsten Tag, bei einer Audienz im Vatikan, konnte sie sich rehabilitieren. Jelzins Frau trat in einem bonbonrosafarbenen und ihre Tochter in einem himmelblauen Kostüm auf, während Hakamada ganz in schwarz erschienen war. Johannes Paul II. rief ihr auf Russisch zu: „Molodez!“ (Bravo!), und im Gegensatz zu den anwesenden Journalisten wusste sie sofort, was den Papst zu diesem Lob bewegt hatte. – Hohe Absätze übrigens, so unbequem sie sein mögen, sind unentbehrlich: Sie machen ganz einfach größer, erzwingen eine aufrechte Haltung und vermitteln Selbstbewusstsein.

 

Im Umgang mit der Presse gilt es stets die Initiative zu ergreifen. Vor den Wahlen 2002 bekam Hakamada einen Anruf ihres Parteifreundes Nemzow, der ihr erklärte, er sei erledigt. Ein Journalist habe herausgefunden, dass der verheiratete Politiker zwei Kinder mit einer anderen Frau hatte. Hakamada fragte Nemzow: „Liebst du die andere?“ – „Ja.“ – „Liebst du deine eigene Frau?“ Wieder bejahte Nemzow. „Liebst du alle deine Kinder?“ Noch einmal ein Ja. „Dann geh los und erzähl deine Geschichte dem wichtigsten Boulevardblatt!“ So geschah es, und nach seinem öffentlichen Geständnis flogen Nemzow alle Sympathien zu.

 

Ein letztes Beispiel, das auch Hakamadas erfrischenden Zynismus demonstriert:

 

„Sie brauchen eine Unterschrift unter ein wichtiges Formular. Der zuständige Beamte schließt die Tür seine Büros, wirft Sie auf die Couch und bietet Ihnen einen Deal an. Was tun Sie?

  1. Sie behaupten, Sie seien a) Jungfrau, b) eine Lesbe, c) ein Transvestit.
  2. Sie fangen an zu weinen und beteuern, dass sie nur Ihren Mann lieben.
  3. Sie teilen ihm mit, dass Sie die Geliebte a) seines Chefs, b) eines tschetschenischen Terroristen, c) eines Profikillers seien.
  4. Sie tun so, als müssten Sie sich wegschmeißen vor Lachen über sein Angebot.
  5. Sie rammen ihm ihr Knie zwischen die Beine. Wenn er sich in Embryonalhaltung zusammenkrümmt, bitten Sie die Sekretärin, die Tür aufzuschließen und zwei Tassen Tee zu bringen, eine davon bitte ohne Zucker.
  6. Sie sagen ihm, dass Sie im Prinzip nichts einzuwenden hätten, aber leider hätten Sie gerade Ihre Tage. Aber er müsse Ihnen auf der Stelle versprechen, das Versäumte baldmöglichst nachzuholen. Wann immer Sie ihn danach in der Öffentlichkeit treffen, machen Sie ihm heimliche Zeichen, bis er beginnt, sich vor Ihnen zu verstecken.

Auflösung: Es hängt davon ab, wie wichtig die Unterschrift für Sie ist, doch im Prinzip sind alle Varianten möglich. Ich brauchte die Unterschrift unbedingt und entschied mich für Variante 6, weil sie die effektivste und risikoärmste ist.“

 

Перевод текста:

Galina Dursthoff
Literary Agency